Unsere ewige Beziehung

“Sambandha-tattva” nennt man das Wissen um unsere Beziehungen zu Krishna und Seiner Welt, den Seelen und zur materiellen Welt. Alle Seelen (Jivas) sind ewiglich mit Krishna verbunden. Er ist das wahre Objekt aller Beziehungen. Die ewige Beziehung zwischen Krishna und allen Lebewesen stellt eine Beziehung des liebenden Dienens dar. Das Lebewesen als Teil Krishnas dient Ihm in tiefer Liebe. Durch Bhakti-yoga können die Lebewesen von ihrer materiellen Illusion befreit werden. Sie werden somit befähigt, ihre liebevolle Anziehung zu Krishna in ihren Herzen wiederzuerwecken.

In der Gaudiya-Vaishnava-Tradition wird Srila Sanatana Goswami als der Acarya (großartige Lehrer) für dieses spezielle Wissensgebiet (sambandha-tattva) angesehen.

Als er Sri Caitanya Mahaprabhu begegnete, stellte er dem Herrn die wichtigsten Fragen, die ein menschliches Wesen stellen kann.

In seinem Werk, dem Caitanya Caritamrita, lässt uns Srila Krishna das Kaviraja Goswami erfahren, wie diese Begegnung ablief.

Srila Sanatana Goswami stellte diese Fragen zum Nutzen aller Seelen und schon bald darauf unterweist ihn Mahaprabhu in diesem wichtigen Themenbereich, nämlich wer wir wirklich sind.

‘ke āmi’, ‘kene āmāya jāre tāpa-traya’                                                                                  ihā nāhi jāni — ‘kemane hita haya’ (CC Madhya 20.102)

“Wer bin ich? Warum leide ich unter den dreifachen Miseren der materiellen Natur? Wenn ich darüber nicht Bescheid weiß, wie kann ich jemals gerettet werden?”

Alle Menschen sollten verstehen, wer wir wirklich sind. Wir alle haben unsere Beziehung zu Gott vergessen. Wir haben unsere wahre Wurzel des Daseins vergessen. Darin besteht unser größter Fehler. Es ist nun unsere Pflicht, unser Selbst zu verwirklichen. Um dies zu tun, müssen wir über unsere Beziehung Bescheid wissen, welche wir mit Krishna haben. Es geht nur um BEZIEHUNG. Ein Sohn hat eine Beziehung zu seinem Vater, eine Mutter eine Beziehung zu ihrer Tochter, etc…Ohne eine Beziehung, kann Liebe nicht entstehen. Wenn wir Wissen haben über unsere Beziehung zu Krishna, dann können wir beginnen, Ihn zu lieben. Das ist die Bedeutung von “sambandha-tattva”, Wissen über unsere Beziehung zu Ihm. Alle Beziehungen hier in dieser Welt helfen uns, unsere ewige Beziehung zu Sri Sri Radha und Krishna zu fixieren. Wir können damit anfangen, hier in dieser Welt liebevolle Beziehungen zu pflegen, in unserem täglichen Leben, weil Krishna im Herzen aller Lebewesen weilt. (aus einem Vortrag 2012)

Sri Caitanya Mahaprabhu teilte Srila Sanatana Goswami mit, wer wir WIRKLICH sind:

jīvera ‘svarūpa’ haya — kṛṣṇera ‘nitya-dāsa’                                                                kṛṣṇera ‘taṭasthā-śakti’ ‘bhedābheda-prakāśa’                                                        sūryāḿśa-kiraṇa, yaiche agni-jvālā-caya                                                                svābhāvika kṛṣṇera tina-prakāra ‘śakti’ haya ( CC Madhya 20.108-109)

“Es ist die wesensgemäße Stellung der Lebewesen, ein ewiger Diener in Liebe von Krishna zu sein, weil die Lebewesen Teile der marginalen Energie Krishnas sind und somit eine Manifestation darstellen, die gleichzeitig eins mit und verschieden von Krishna ist. Eins mit Ihm in unserer spirituellen Natur, verschieden von Ihm in unserer Größe: Er ist das Ganze, wir sind der Teil. Es verhält sich wie bei einem molekularen Teilchen eines Feuers zum ganzen Feuer, oder wie bei den Strahlen der Sonne zur ganzen Sonne. Krishna verfügt über 3 Arten von Energien.”

Unglücklicherweise hat das Lebewesen seine wahre Natur vergessen und sich stattdessen der Materie zugewandt.

kṛṣṇa bhuli’ sei jīva anādi-bahirmukha                                                                            ataeva māyā tāre deya saḿsāra-duḥkha

“Dadurch, dass das Lebewesen Krishna vergisst, wird es schon seit unvordenklichen Zeiten von Krishnas äußeren Energie, der materiellen Welt, angezogen. Diese illusorische Enegie Gottes bereitet der ewigen Seele allerhand Elend in ihrem irdischen Dasein. ” (CC Madhya 20.117)

Das Lebewesen, die Seele, kann 5 verschiedene Grundbeziehungen zu Krishna eingehen:

  1. Eine “neutrale” Beziehung” (santa-rasa)
  2. Eine Beziehung als Diener (dasya-rasa)
  3. Eine Beziehung der Freundschaft (sakhya-rasa)
  4. Eine elterliche Beziehung (vatsalya-rasa)
  5. Eine “amouröse” Beziehung (madhurya-rasa)

Wir können uns Krishna auch in verschiedenen Haltungen des Herzens nähern. Wir können Ihm auf sehr respektvolle Art und Weise näher kommen, jedoch immer in großer Ehrfurcht (aishvarya-bhava) und wir können Krishna auf sehr liebevolle und süße Art und Weise näher kommen (madhurya-bhava). Sri Caitanya Mahaprabhu gewährte uns freien Zutritt zur lieblichsten und süßesten Gemütsstimmung, der Stimmung im Herzen der Gopis von Vrindavana.

Srila Sanatana Goswami geht wunderbar auf dieses Thema der ewigen Beziehung(en) (sambandha-tattva) in seinem fantastischen Meisterwerk “Sri Brihad Bhagavatamrita” ein. Jeder sollte dieses Buch lesen und alles über die Reisen der Hauptpersonen, Narada Muni und Gopa Kumara, erfahren. Durch das Studieren ihrer Reisen, beschrieben in diesem Buch, kann man alles über die verschiedenen Beziehungen zu Krishna erfahren.

Der große Heilige Narada Muni war auf der Suche nach dem Devotee, welcher   die höchste Liebe zu Krishna in seinem Herzen trägt. Der ehrenwerte Leser erfährt dann alles über die verschiedensten Beziehungen reiner Gottgeweihten und gelangt schließlich mit Narada Muni zu Uddhava, Krishnas engstem Freund. Uddhava jedoch verweist auf die höchste Liebe zu Krishna, die man nur in den Herzen der Gopis von Vrindavana finden kann.

Gopa Kumara erhielt Mantra-Einweihung von einem Einwohner aus Vrindavana und begibt sich, kurz nachdem der Meister “verschwindet”, auf eine Reise durch alle verschiedenen Bewusstseinsebenen, um den Ort zu finden, an welchem die höchste Liebe zu Krishna gelebt wird. Er reist durch die himmlischen Planeten, durch Brahmaloka, durch Shivaloka, durch die spirituellen Planeten von Vaikuntha und gelangt schließlich zu seiner “Endstation”, Goloka Vrindavana. Dort verwirklicht er, dass die Einwohner dieses lieblichen Ortes in der wunderbarsten Beziehung zu Krishna leben, einer Beziehung der reinsten und selbstlosesten Liebe.