Die Stationen des Bhakti-Yoga

 

  • Sraddha:

Sraddha bedeutet Glaube, dass man fähig ist sein Herz (srat) ganz hinzugeben (dha= festhalten); alles in festem Glauben. Wir sind jetzt überzeugt, dass Bhakti uns Gott (Krishna) näher bringt. Wir wissen, dass es außer diesem materiellen Leben noch etwas andres gibt. Wir fühlen, dass wir  uns auf den Weg zu Gott begeben sollten.

  • Sadhu-sanga:

Jetzt lernen wir den Weg der Bhakti kennen. Wir sind gewillt zu lernen und begegnen gleichgesinnten Suchenden. Wir unterhalten uns und tauschen Erfahrungen aus. Bald werden wir einen Sri Gurudeva finden, oder anfangs einen Gottgeweihten, der mehr weiß als wir. Lernst du dann einen Sri Gurudeva kennen, bittest du ihn um Unterweisungen. Sri Gurudeva schenkt dir den Heiligen Namen (Harinam) und wird dir Mantra-Einweihung geben (Diksha) gibt. Er gibt dir Zuflucht während deiner ganzen Seelenreise innerhalb der Bhakti. Srila Rupa Goswami nennt diese Zufluchtnahme bei einem Sri Gurudeva als allersten Punkt wenn er von den 64 Tätigkeiten des Bhakti-yoga spricht. Ohne die Gnade des Gurudevas werden unsere Bemühungen keine Früchte tragen.

  • Bhajana-kriya:

“Bhajana-kriya” heißt “handelndes Dienen”, “liebevolle Verehrung”. Du lernst, wie du Bhakti-yoga in dein tägliches Leben integrieren kannst. Dies geschieht auf zwei Weisen:

  1. Inspiration und Handeln (aktiv)
  2. Nichtstun, Lethargie (eher passiv)

Es ist ein Wechselbad zwischen einem „Auf-und-Ab“ der Gefühle. Wir sind in einem Prozess der läuternden Liebe, indem uns unsere Schattenseiten voll bewusst werden. Krishna verspricht aber, dass wir zur nächsten Stufe fortschreiten können, wenn wir ehrlich zu uns selber sind und einfach in steter Hoffnung “weitermachen”.

Wenn ein Devotee, welcher im Glauben lebt, Einweihung von einem echten Sri Gurudeva erhalten hat und durch Seine Gnade mit Bhakti-yoga beginnen darf, dann ist er anfangs SEHR enthusiastisch. In dieser Phase ist man immer sehr begierig, Bhakti-yoga auszuführen. Diese Station der Bhakti nennt man “utsamayi” oder “immer enthusiastisch”. Diese Phase dauert jedoch nicht sehr lange.

Innerhalb einer gewissen Zeit verringert sich unsere Inspiration. Wir fühlen uns dann gelangweilt und durchlaufen oft ein inneres “Tief”. Manchmal ist unsere Bhakti äußerst lebendig und intensiv und manchmal haben wir einfach keine Lust. Diese Phase wird die Zeit der intensiven “Verlangsamung” genannt. Wir kommen nur schwerlich vorwärts. Während dieser Zeit erscheinen in unseren Gedanken verschiedenste Möglichkeiten, wie wir unser spirituelles und materielles Leben gestalten könnten. “Soll ich heiraten? Eine Familie gründen? Soll ich mich zurückziehen?” “Soll ich mich auf eine Bhakti-Tätigkeit konzentrieren oder soll ich so viele wie möglich ausführen?” Diese Phase nennt man “vyudha-vikalpa” oder die Zeit der “auftauchenden Ideen”.

Bald treten wir auch in eine andere Phase ein: Wir “kämpfen” buchstäblich mit unseren materiellen Begierden. Manchmal gewinnen wir und manchmal geben wir diesen Wünschen nach. Man nennt diese innere Turbulenzen “vishay-sangara” oder “mit der körperlichen Welt auf Kriegsfuß stehen”. Doch keine Bange: Bhakti-yoga wird diese unerwünschten Begierden verschwinden und unsere Liebe im Herzen erblühen lassen. Wenn dies aber irgendwie verhindert wird, sollten wir verstehen, dass es deshalb sein kann, dass wir den Unterweisungen der Bhakti-Lehrer (allen voran Srila Rupa Goswami) nicht vollständig beachten. Doch auch diese Phase des “Ungehorsams” geht vorüber und man nennt diesen Zeitabschnitt “niyamakshama” oder “unfähig sein, die Regeln und Regulierungen zu beachten”.

Manchmal, wenn wir uns mit ganzem Herzen der Bhakti-Ausübung widmen, kann es vorkommen, dass Menschen uns sehr wohlgesonnen sein mögen. Es tauchen dann finanzielle Angebote auf und andere “Versuchungen” wie Macht, hohe Positionen und ähnliche weltliche Reichtümer. Diese Verlockungen stellen eine Art “Unkraut” dar, das sich um unsere feine Bhakti-Pflanze schlingt (Bhakti-kalpa-lata: Bhakti ist wie eine göttliche Schlingpflanze, die empor wächst und alle Wünsche des Geweihten erfüllen kann). Es ist unsere Pflicht, dieses Unkraut sehr zügig schon zu Beginn zu entfernen, damit wir in unserem liebenden Dienst stetig werden können.

  • Anartha-nivritti 
Anartha-nivritti bedeutet das “Ablegen” von unerwünschten Eigenschaften in unserem Inneren.
Wenn wir in unserem Bhakti-yoga nicht stetig sind, zwingen uns unsere unerwünschten Begierden dazu, dass wir einige Sprossen der Bhakti-Leiter heruntersteigen müssen, um dann wieder die nächsten zu erklimmen. Unerwünschte Eigenschaften treten in 4 verschiedenen Formen auf:
  1. Jene innere Neigungen, die aus unseren schlechten Taten resultieren – sei es von kürzlichen Missetaten oder von längst vergessenen
  2. Jene innere Antriebe, die aus frommen Tätigkeiten entstehen – fromme Tätigkeiten, die wir in der Vergangenheit begangen hatten bescheren uns oft ein Leben in Reichtum und Fülle. Dieser Lebensstil verführt unsere Seele zur Befriedigung unförderlicher Triebe und dadurch entstehen erneut “schädliche” Wünsche in unserem Herzen.
  3. Jene, die aus Vergehen entstehen, die wir begangen haben – Vergehen gegen Lebewesen, Heilige und gegen den Heiligen Namen.
  4. Jene, die durch Bhakti-yoga entstehen – wenn wir in unserer Bhakti-Liebe fortschreiten werden uns eventuell Geld, Macht und Ruhm angeboten. Diese Verführungen lassen wiederum neue Begierden entstehen. Wir müssen sehr achtsam Bhakti-yoga ausführen.
Wie können wir in uns selber feststellen, dass alle unerwünschte Begierden von uns gewichen sind?
Wenn wir feststellen, dass keines der folgenden Anzeichen auf uns zutrifft:
  1. LAYA – wir fühlen uns sehr müde während wir unsere Bhakti ausführen
  2. VIKSHEPA – wir kümmern uns um weltliche Angelegenheiten WÄHREND unserer Bhakti-Tätigkeit (Internet, TV,…)
  3. APRATIPATTI – obwohl keines der ersten beiden Anzeichen zutrifft, haben wirkeine Inspiration, Bhakti zu praktizieren
  4. KASHAYA – während wir uns in Bhakti beschäftigen, tauchen in unserem Herzen negative Stimmungen wie Neid, Zorn oder Gier auf
  5. RASASWADA – wenn wir unfähig sind uns zu konzentrieren, weil wir mit unseren Gedanken unsere Begierden “verehren”
  • Nistha
Hier befinden wir uns in der Phase der unerschütterlichen Stetigkeit.
Wie finden wir heraus, ob unsere Bhakti stetig ist oder unstet und flackerhaft?
  1. Wenn wir feststellen, dass wir äußerst konzentriert sind bei unseren Bhakti-Tätigkeiten und uns nicht ablenken lassen
  2. Wenn wir feststellen, dass die 5 zuvor genannten Anzeichen der unerwünschten Begierden nicht mehr in unserem Herzen weilen
  • Ruci
In dieser Phase entwickeln wir einen tiefen Geschmack an allen Tätigkeiten innerhalb unserer Bhakti. Wir empfinden große Zufriedenheit beim Hören über Sri Krishnas Süße, über Seine Schönheit, Seine Eigenschaften, Seine Spiele, etc…
  • Asakti
“Wenn unser tiefer Geschmack (ruci) an Bhakti-Tätigkeiten sehr intensiv wird und unsere Gedanken sich ständig  um Sri Krishna allein drehen, dann befinden wir uns auf der Ebene der “Asakti”. Der Vorgang der Bhakti gleicht einer wohlmeinenden Kletterpflanze, die alle unsere Wünsche erfüllen kann. An dieser wunderschönen Bhakti-Pflanze erblüht die Stufe der “Asakti” wie eine Ansammlung wunderbarer Blüten, die sich in wunderschöne Blumen der Bhava ( Vorstufe der reinen Gottesliebe, Prema)  verwandeln (Asakti veranlasst die nächste Ebene der Bhakti, Bhava, zu erwachen), die dann allesamt schließlich die reinste Frucht
darstellen, Prema.” (aus Madhurya-Kadambini, 6. Gnadenschauer)
  • Bhava:

Diese Ebene ist eine Vorstufe zur Prema. Jetzt kannst du in deine spirituelle Form erkennen. Wenn du meditierst ist sie da. Dein Herz ist voll von Liebe zu Radha und Krishna. Du hast Einblick in das Göttliche Spiel. Die reine Liebe zu dem Göttlichen Paar hat die Kraft, Ihre Herzen zu erobern. Diese hohe Gemütstimmung ist ewiger Natur. Sie ensteht nicht, sondern wird uns durch Krishnas innere Energie in unser geläutertes Herz eingegeben.Srila Rupa Goswami beschreibt neun Anzeichen für diese Stufe:

1.     Wir fühlen uns durch nichts im Innern gestört

2.     Keine Sekunde leben wir ohne Bhakti

3.     Wir haben kein Interesse an Dingen außer Radha-Krishna

4.     Wir sind frei von falschem Ego

5.     Wir sind unbeirrbar im Glauben an die Gnade von Radha-Krishna

6.     Wir haben großes Verlangen, mit Radha und Krishna zusammen zu sein

7.     Wir haben großes Verlangen, den Heiligen Namen zu chanten

8.     Wir haben großes Verlangen ehrend über Radha-Krishna zu     sprechen

9.     Wir haben großes Verlangen, in Vrindavan zu leben.

  • Prema
Wir sind am glorreichen Ende unserer Entwicklung der Bhakti angekommen: Hier erfährt unsere Seele die reinste Form der Gottesliebe, Prema. Diese Liebe ist reiner als millionenfach geschmolzenes Gold und frei von allen selbstischen Antrieben. Diese Prema-Bhakti hat die Kraft, die Herzen von Radha und Krishna zu erobern.